Geschäfte

Wirtschaftsprofil : Tokio hat in Japan, der zweitstärksten Wirtschaftsmacht der Welt, eine überragende Bedeutung. Es ist das Finanz- und Verwaltungszentrum des Landes und der Sitz der Regierung. Nach der Meiji-Reform 1868 folgte man eifrig modernen Entwicklungen und Zeiterscheinungen, und auch heute noch ist Tokio bei neuen Trends und technischen Innovationen führend und die kosmopolitischste Stadt des Landes. Die in Japan derzeit vollzogenen Wirtschaftsreformen und Deregulierungsmaßnahmen wurden in Tokio beschlossen und haben dort bereits den größten Effekt gezeigt. Die Arbeitslosigkeit liegt in der Stadt deutlich unter dem Landesdurchschnitt von 5,6%, und das Pro-Kopf-Einkommen ist 40% höher als in anderen Landesteilen.

Die Hauptverwaltungen der großen japanischen Unternehmen sind fast alle in Tokio angesiedelt, wo auch die meisten ausländischen Unternehmen ihre japanischen Niederlassungen haben.

Die wichtigsten Geschäftsviertel konzentrieren sich rund um die Parlaments- und Ministerialgebäude südlich und östlich des kaiserlichen Palasts. Die Stadtverwaltung befindet sich im westlichen Teil von Shinjuku, Tokios Geschäftsgegend mit den meisten Wolkenkratzern. Die wichtigsten Wirtschaftszweige der Stadt sind der Dienstleistungs- und Verwaltungsbereich, aber auch das Verlagswesen und Druckgewerbe konzentrieren sich hier. Im geschäftigen Hafen an der Tokiobucht wird außerdem ein großer Teil der Im- und Exporte des Landes abgewickelt. Die kürzlich eingeführten Deregulierungsmaßnahmen erleichtern ausländischen Unternehmen den Einstieg in den japanischen Markt, wovon immer mehr Gebrauch machen. Das zwischen dem Stadtzentrum und dem Flughafen Narita angesiedelte Nippon Convention Centre (Makuhari Messe; Internet: www.m-messe.co.jp) und der neue Komplex namens Tokyo Big Sight (Internet: www.bigsight.or.jp/english/index.html) in der Tokiobucht machen die Stadt zum wichtigsten Zentrum für Handelsmessen in Japan. Das Internet gewinnt nach einem langsamen Einstieg zunehmend an Bedeutung für japanische Unternehmen. Hotelzimmer sind i. allg. mit einer Telefonleitung versehen, die den Zugang zum Internet ermöglicht, und internationale öffentliche Telefone haben Modem-Anschlüsse.

Geschäftsetikette : Die Einwohner Tokios sind zwar kosmopolitischer als andere Japaner, in der Gegenwart von Ausländern, und besonders wenn man von ihnen erwartet, Englisch zu sprechen, sind viele aber reserviert. Fast jeder unter 50 Jahren verfügt über englische Grundkenntnisse, die wenigsten aber sprechen fließend Englisch. Mißverständnisse entstehen somit leicht, deshalb ist es ratsam, Dolmetscher einzusetzen. Von Ausländern wird nicht erwartet, daß sie die japanischen Verhaltensregeln grundlegend kennen, deshalb sieht man über viele Verstöße freundlich hinweg. Man sollte allerdings daran denken, daß die Schuhe in Privathäusern und auch in einigen Büros und Restaurants ausgezogen werden müssen. Trinkgeld wird nicht erwartet, gilt sogar als ordinär, genau wie das Essen beim Gehen. Auch sollte man das Nase Putzen in der Öffentlichkeit vermeiden (Schniefen wird allerdings ohne weiteres akzeptiert). Bei der Arbeit und bei geschäftlichen Anlässen sollte man sich adrett, aber konservativ kleiden. Beim Kennenlernen spielt der Austausch von Visitenkarten eine sehr wichtige Rolle, denn ohne Visitenkarte wird man nicht ernstgenommen.

Gesellschaftliche Anlässe spielen sich vor allem in Restaurants und in ?Izakaya?-Bierhallen ab, Einladungen zu Geschäftspartnern nach Hause sind dagegen ungewöhnlich. Das Trinken von Alkohol (Bier, Whisky, Sake) ist genau wie das Rauchen Teil dieser Kultur. Selten werden die Partner von Geschäftsreisenden mit eingeladen, denn die geschäftliche Unterhaltung wird immer noch von Männern dominiert. Geschenke sind äußerst wichtig (allerdings brauchen sie nicht groß oder verschwenderisch sein) und werden feierlich ausgetauscht.

Kollegen erwähnt man normalerweise mit dem Nachnamen, und Hierarchien sollten respektiert werden. Bei Geschäftsverhandlungen muß man meistens Geduld beweisen, denn Direktheit steht man mißtrauisch und ablehnend gegenüber, deshalb werden Anworten mit einem klaren ?Ja? oder ?Nein? vermieden. Ungeduld wird mißbilligt, und Konfrontationen stehen außer Frage, denn sie gelten als ein Zeichen größter Schwäche. Sich zu entschuldigen und zu bedanken ist sehr wichtig und sollte nicht zu knapp ausfallen. Die Geschäftszeiten sind i. allg. Mo-Fr von 09.00-17.00 Uhr.